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Erbschaftsteuer

Nach Todesfall eines nahen Angehörigen beginnt bei den Erben oftmals eine schwierige Phase. Neben der Trauerbewältigung führt auch der Verwaltungsaufwand zu einer erheblichen Belastung.

Verständlich, dass Erben, Pflichtteilsanspruchsberechtigte oder Vermächtnisnehmer/innen sich vorerst keine Gedanken über die steuerlichen Folgen machen und die dreimonatige Anzeigefrist des dem der Erbschaftsteuer unterliegenden Erwerbs gegenüber dem zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt bereits verstrichen ist bevor sich steuerlicher Rat eingeholt werden konnte. Die dreimonatige Frist beginnt nach erlangter Kenntnis von dem Erbanfall, da ab diesem Zeitpunkt nach Meinung der Finanzverwaltung vom Steuerpflichtigen eine Handlung erwartet werden kann. Von dieser Anzeigepflicht kann lediglich in Sonderfällen abgesehen werden.

Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung

Nach Eingang der Erwerbsanzeige fordert das zuständige Erbschaftsteuerfinanzamt zur Abgabe der Erbschaftsteuererklärung auf, wenn die Erhebung der Erbschaftsteuer im entsprechenden Fall in Betracht kommt. Wurde Grundbesitz, Betriebsvermögen oder Anteile an Kapitalgesellschaften vererbt, ist mit der Aufforderung zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung zu rechnen. Hintergrund ist, dass im Erbschaftsteuergesetz für die Ermittlung von Grundbesitz, Betriebsvermögen oder Anteile an Kapitalgesellschaften besondere Bewertungs- bzw. Berechnungsvorschriften vorgesehen sind, von deren Anwendung nur unter Vorlage eines Wertgutachtens von einem örtlich zuständigen Gutachterausschuss oder einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständiger abgesehen werden kann. Diese Wertermittlungen seitens der Finanzverwaltungen führen oftmals zu einem hohen, der Erbschaftsteuer zugrunde zu legendem Wert.

Freibeträge und Vorschenkungen

Eine Erhebung der Erbschaftsteuer seitens des Erbschaftsteuerfinanzamts kommt unter anderem dann nicht in Betracht, wenn der Erwerb wertmäßig unter der Höhe der vorgesehenen erbschaftsteuerlichen Freibeträge liegt. Die Höhe der Freibeträge ist abhängig vom Verwandtschaftsverhältnis des Erbens oder Vermächtnisnehmers zum/zur Erblasser/in. So steht Kindern beispielsweise ein Freibetrag von EUR 400.000,00, Eltern hingegen jedoch lediglich ein Freibetrag bei Erwerb von Todes wegen von EUR 100.000,00 und Personen, zu denen ein entfernteres Verwandtschaftsverhältnis besteht (z. B. schon Geschwister), sogar nur einen Freibetrag von EUR 20.000,00 zur Verfügung.

Folgende Steuerklassen und Freibeträge gelten im Erbfall:

Verhältnis der BeteiligtenSteuerklasseFreibetrag
Ehegatten / eingetragene LebenspartnerI500.000 Euro
Kinder / Stiefkinder / AdoptivkinderI400.000 Euro
Enkel / UrenkelI200.000 Euro
Eltern / GroßelternII100.000 Euro
Geschwister / Neffen / NichtenII20.000 Euro
SchwiegerkinderII20.000 Euro
Lebensgefährten und nicht verwandte ErbenIII20.000 Euro

Zu beachten bei der Berechnung des im Zeitpunkt des Todes zur Verfügung stehenden Freibetrags ist, dass Schenkungen, die die Erben oder Vermächtnisnehmer/innen innerhalb von zehn Jahren vor Tod des Erblassers/der Erblasserin vom Erblasser/der Erblasserin erhalten haben, auf diesen Freibetrag anzurechnen sind und somit der zur Verfügung stehende Freibetrag im Todeszeitpunkt des Erblassers/der Erblasserin bereits schon durch sog. Vorschenkungen „verbraucht“ sein kann. Hat ein Vater beispielsweise ein Jahr vor seinem Tod seiner Tochter einen Geldbetrag von EUR 100.000,00 zugewendet, beträgt der anlässlich des Erwerbs von Todes wegen noch zur Verfügung stehende erbschaftsteuerliche Freibetrag der Tochter nur noch EUR 300.000,00. Erbt die Tochter im Todesfall weiteres Geldvermögen in Höhe von EUR 400.000,00, sind zum Todeszeitpunkt des Vaters EUR 100.000,00 der Erbschaftsteuer zu unterwerfen, da der erbschaftsteuerliche Freibetrag nicht mehr in voller Höhe zur Verfügung stand.

Erbschaftsteuerliche Befreiungs- oder Begünstigungsmöglichkeiten

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Erwerber weitere Erbschaft- und Schenkungsteuerbefreiungen in Anspruch nehmen. Insbesondere Unternehmen stehen in Deutschland erhebliche Möglichkeiten für Steuerverschonungen zur Verfügung. Aber auch Familienheime oder zu Wohnzwecken vermietete Immobilien unterfallen unter bestimmten Bedingungen zumindest nicht mit ihrem vollen Wert der Erbschaftsteuer.

Bei Ehegatten ist weiterhin zu berücksichtigen, dass ein eventuell bestehender Zugewinnausgleichsanspruch die Erbschaftsteuer erheblich mindern kann und dem Ehegatten neben dem allgemeinen erbschaftsteuerlichen Freibetrag von EUR 500.000,00 ein besonderer Versorgungsfreibetrag in Höhe von bis zu EUR 256.000,00 zur Verfügung steht.

Um die gewährten Steuerverschonungen zu behalten, müssen die Erwerber in vielen Fällen in den auf den Erbfall oder die Schenkung folgenden Jahren bestimmte Voraussetzungen erfüllen (z.B. Behaltensfristen und Lohnsummen einhalten), andernfalls droht die Nachbesteuerung.

Damit Sie sich auch steuerlich im Erbfall gut aufgehoben fühlen und damit die Steuerbefreiungs- und Steuerbegünstigungsmöglichkeiten bestmöglich ausgeschöpft werden, stehen wir Ihnen gerne neben, oder unabhängig von zivilrechtlichen Problematiken, im Erbfall auch steuerlich zur Seite.

Dies kann unter anderem erfolgen durch Abgabe der o.a. Erbschaftsanzeige, Abgabe von

angeforderten Erbschaftsteuer- und Bedarfswerterklärungen, Berechnung einer eventuellen Erbschaftsteuerbelastung (inkl. Berücksichtigung und Ermittlung von Steuerbefreiungen, Zugewinnausgleichsansprüchen, Vermächtnissen und Pflichtteilsrechten) oder auch bei sonstigen im Rahmen der Erbschaft auftretenden Erbschaftsteuerproblematiken.

Ertragsteuerliche Problematiken nach dem Erbfall

Aber auch nach dem Erbfall gilt es, unerwünschte Steuerfolgen zu vermeiden. Hier ist nicht nur auf die Erbschaft- und Schenkungsteuer zu achten. Insbesondere bei der Verteilung des Nachlasses (insb. bei der Auseinandersetzung von Erbengemeinschaften), kann es zu unerwarteter und vermeidbarer Belastung mit der Einkommensteuer kommen. Denn nicht nur die häufig thematisierte Erbschaftsteuer ist zu berücksichtigen. Auch die einkommensteuerlichen Konsequenzen müssen bedacht werden, speziell wenn sich Grundbesitz, Betriebsvermögen oder Anteile an Kapitalgesellschaften in der Erbmasse befinden (bspw. bei Lösung oder Begründung von Betriebsaufspaltungen, Entnahme von Gegenständen aus dem Betriebsvermögen, Auseinandersetzungen von Erbengemeinschaften).

Erhält z.B. einer der Erben ein Grundstück oder ein Unternehmen aus dem Nachlass und muss dafür einen Ausgleich an den übrigen Erben zahlen, kann es sich steuerlich um ein entgeltliches Geschäft handeln. Der hieraus resultierende steuerliche Gewinn ist dann ggf. zu besteuern. Weichen die Erben bei der Verteilung des Nachlasses von ihren Erbquoten und von den Anordnungen des Erblassers ab, können sie auch weitere Schenkungsteuern auslösen. Erhält ein Pflichtteilsberechtigter an Stelle des als Pflichtteil geschuldeten Geldbetrages insb. Grundstücke, Beteiligungen oder Betriebsvermögen, kann darin eine einkommensteuerlich relevante Veräußerung zu sehen sein. In der Folge hat der Erbe einen gesetzlich unterstellten Gewinn zu versteuern.

Einer steuerrechtlichen Beratung bedarf es daher auch, wenn ein umfangreicher Nachlass verteilt werden soll oder die Beteiligten von den testamentarischen oder gesetzlichen Bestimmungen abweichen möchten. Hierzu beraten wir Sie gerne umfassend zu allen erb-, gesellschafts- und steuerrechtlichen Fragen.

Da die aufgeführten ertragsteuerlichen Problematiken nach Eintritt des Erbfalls in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht und Steuerbefreiungsmöglichkeiten nicht mehr optimal genutzt werden können, ist ratsam, sich noch zu Lebzeiten steuerlichen Rat einzuholen und Vorkehrungen durch Errichtung eines steuerlich optimierten Testaments oder eines Erbvertrages zu treffen. Auch hierbei können wir Ihnen gern behilflich sein. Die durch unsere Rechtsanwälte/innen erstellten Testamente und Erbverträge berücksichtigen nicht bloß erbrechtliche, sondern auch die steuerlichen Aspekte. Zudem fertigen wir auch insoweit notarielle Urkunden.

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